{"id":28821,"date":"2016-11-15T00:00:00","date_gmt":"2016-11-14T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/blog\/2016\/11\/15\/facing-the-future\/"},"modified":"2023-01-19T15:50:19","modified_gmt":"2023-01-19T14:50:19","slug":"facing-the-future","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/en\/basis\/2016\/11\/facing-the-future","title":{"rendered":"Facing the future"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"size-full\" src=\"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Logo_KMHS-2.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><strong>Das Jahresende ist die Zeit des Zur\u00fcck- und Nach-vorne-Blickens. Die Schweizer Musikhochschulen bewegen sich in einem auf die Zukunft ausgerichteten Umfeld. So sollen hier \u00dcberlegungen und Anregungen aus und \u00fcber die Musikhochschulen bez\u00fcglich der Zukunft der Studierenden zur Sprache gebracht werden.<\/strong><\/p>\n<div class='text-section'> <strong><\/strong><\/p>\n<p><i>Daniel Weissberg - <\/i>Als wir vor 15 Jahren den Studiengang Musik und Medienkunst konzipierten, geh\u00f6rte der CD-Rom eine angeblich bl\u00fchende Zukunft, die wir in der Ausbildung zu ber\u00fccksichtigen h\u00e4tten. Vom schon seit Jahren bl\u00fchenden Gesch\u00e4ft mit Musik f\u00fcr Computerspiele ahnten auch Experten damals noch nichts. Was eine CD-Rom ist, wissen heute nur noch wenige.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Facing the Future<\/strong><\/p>\n<p>Auf Schweizerdeutsch wird die Zukunft mit der Gegenwartsform ausgedr\u00fcckt. Kaum etwas wird so schnell von der Gegenwart \u00fcberholt wie Zukunftsvisionen. Facing the future, zu Deutsch: der Zukunft ins Gesicht schauen. Zu den genuinen Merkmalen der Zukunft geh\u00f6rt ihre Gesichtslosigkeit, die sie zur Projektionsfolie f\u00fcr allerlei W\u00fcnsche und Bef\u00fcrchtungen macht - und die kommen nicht aus der Zukunft.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Facing the Past<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht haben Musikhochschulen einst zu lange zu einseitig der Vergangenheit ins Gesicht geschaut. Das Gegenteil von einem Fehler w\u00e4re allerdings auch ein Fehler.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'>\n<p><strong>Facing the Pres(id)ent<\/strong><\/p>\n<p>Das einzige, das wir \u00fcber die Zukunft wissen, ist die Gegenwart. Da hat das Schweizerdeutsch schon Recht.<\/p>\n<p><b>Daniel Weissberg <\/b><\/p>\n<p>... leitet seit 15 Jahren gemeinsam mit Michael Harenberg den Studiengang Musik&amp;Medienkunst im Fachbereich Musik der HKB.<\/p>\n<p><b>> <a href='http:\/\/www.medien-kunst.ch'>www.medien-kunst.ch<\/a><\/b><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><i>Matthias von Orelli -<\/i> Wie sehen die Musikhochschulen ihre Zukunft und jene der Studierenden, wie nehmen diese Fragen die Studierenden selber wahr? Anbei die Gedanken eines Studierenden aus Lugano sowie \u00dcberlegungen dazu von den Musikhochschulen Bern und Lausanne.<\/p>\n<p>Der nordirische Dirigent Darren Hargan (*1983) absolviert aktuell (obschon er bereits einen Namen als Pianist und Coach hat) den Master of Arts in Music Performance (Ensemble conducting - contemporary repertoire) an der Scuola Universitaria di Musica\/Conservatorio della Svizzera italiana in Lugano. Er ist ein junger Musiker, der sich vertieft mit den Fragen der Zukunft des Musikerseins, der Verantwortung und dem Stellenwert der Ausbildungsst\u00e4tten auseinandersetzt. Im Gespr\u00e4ch betont er, welch enormen Stellenwert die Musik hat.<\/p>\n<p>Er sieht in der Musik ein Fundament unserer Gesellschaft, die nicht nur den Geist anregt, sondern uns auch zu Koordination und Ausdruck bef\u00e4higt. Nachdem Hargan den Entschluss gefasst hatte, Musik zu studieren, half ihm das Gl\u00fcck hinsichtlich seiner eigenen beruflichen Zukunft. Im Anschluss an die Studien an der Royal Academy of Music in London bekam er eine Festanstellung am Opernhaus Z\u00fcrich, was ihm den Berufseinstieg erleichterte. Doch, so Hargan, m\u00fcssten Studierende unbedingt verstehen, dass eine Musikhochschule, so gut sie auch sein mag, sie nicht wirklich auf das t\u00e4gliche Leben im Musikgesch\u00e4ft vorbereiten k\u00f6nne. Es gelte f\u00fcr jeden Musiker, f\u00fcr jede Musikerin, t\u00e4glich zu lernen, um der Zukunft gewachsen zu sein. Umso entscheidender sei es daher auch, dass die verschiedenen, international angesehenen Musikhochschulen in der Schweiz ein jeweils individuelle Profil aufweisen, um talentierte Musikerinnen und Musiker ihren F\u00e4higkeiten entsprechend f\u00f6rdern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Businessfragen<\/strong><\/p>\n<p>Auf die Zukunft angesprochen sieht Hargan f\u00fcr die Musikhochschulen besonders dort eine Herausforderung, wo sie den Studierenden helfen k\u00f6nnen, eine eigene Stimme im immer schneller werdenden Musikmarkt zu finden. F\u00fcr ihn kann eine Musikhochschule nur dann erfolgreich sein, wenn sie die M\u00f6glichkeit hat, eine Verbindung zwischen Ausbildung und Musikerberuf herzustellen und gleichzeitig die Studierenden anh\u00e4lt, ebenso viel Zeit in Businessfragen wie ins \u00dcben ihrer Kunst zu investieren. Hargan erachtet es als aussichtslos, wenn man bloss f\u00e4hig sei, eine bestimmte St\u00fcckauswahl \u00fcberdurchschnittlich virtuos spielen zu k\u00f6nnen, ohne sich dabei (\u00f6konomischen) Fragen zur Karriereentwicklung zu stellen. Noch ein anderes Thema besch\u00e4ftigt ihn sehr: die Kinder. Sie seien unsere Zukunft, und der junge Dirigent bezeichnet es als Schande, dass so viele Kinder nie die M\u00f6glichkeit haben werden, in der Schule ein Instrument zu spielen oder ein Konzert besuchen zu k\u00f6nnen. Zwar erlernten manche Kinder die notwendigen praktischen F\u00e4higkeiten, doch versage das System oft darin, indem diese Kinder ihr sch\u00f6pferisches Potential nur ungen\u00fcgend aussch\u00f6pfen k\u00f6nnten. <\/p>\n<p>\"So haben viele Kinder die grossen musikalischen Errungenschaften der Menschheit nie kennengelernt, etwa Beethovens Musik, die Schriftsteller, Wissenschaftler und Politiker inspiriert hat\", unterstreicht Hargan. Dass man nach dem Fall der Berliner Mauer dessen Neunte spielte zeige, dass man darin die einzig richtige Antwort auf eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte des 20. Jahrhunderts sah. \"Auch deswegen hat die klassische Musik ihre Existenzberechtigung, und wir alle sind\", so Hargan, \"verpflichtet, uns daf\u00fcr einzusetzen, dass alle Teile der Gesellschaft den Wert und die Notwendigkeit sehen, welche die Kunst f\u00fcr das Leben der Kinder hat.\" W\u00fcrden sie von dieser Erfahrung ausgeschlossen bestehe die Gefahr, den Vorteil zu verpassen, der ihnen die Musik h\u00e4tte bringen k\u00f6nnen. \"Ausser Frage - die Musik muss eine Zukunft haben. Die Welt ver\u00e4ndert sich schneller und schneller, und wir hatten noch nie so viele M\u00f6glichkeiten, uns mit Menschen auf der ganzen Welt zu vernetzen.\" Hargan erg\u00e4nzt, dass doch gar keine Zeit bleibe, \u00fcber die Schultern mit nostalgischer Wehmut in die Vergangenheit zu blicken. Als Kind des 21. Jahrhunderts m\u00fcsse man diese M\u00f6glichkeiten mit offenen Armen entgegen nehmen und der uns allen Menschen instinktiver Eigenschaft folgen: Gestalten!<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>\u00dcberlegungen der HEMU<\/strong><\/p>\n<p>Auf die Rolle der Studierenden der Zukunft angesprochen spielt die Gesellschaft auch aus Sicht der Haute \u00c9cole de Musique de Lausanne (HEMU) eine zentrale Rolle. Studierende sollen ein Bewusstsein f\u00fcr die Stellung und Rolle, welche Musiker und K\u00fcnstler in der Gesellschaft einnehmen, entwickeln, wobei Neugierde und Offenheit gegen\u00fcber anderen Kunstformen und die Absicht, Verbindungen mit diesen zu erm\u00f6glichen, besonders betont werden. Genauso wie es Darren Hargan sich w\u00fcnscht, wird auch aus Sicht der Hochschule das Bewusstsein gefordert, dass zuk\u00fcnftige Studierende nicht nur in der Lage sein m\u00fcssen, den Anforderungen eines Arbeitsmarkt in st\u00e4ndiger Entwicklung gerecht zu werden, sondern auch Innovationen mittragen sollten, die das Musikgesch\u00e4ft beeinflussen. Das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Musikkultur bestehe darin, offen gegen\u00fcber der Welt aufzutreten, in der aktuellen Zeit zu leben und sich gleichzeitig dem kulturellen Erbe bewusst zu sein sowie die Notwendigkeit zu erkennen, dieses Erbe (ohne nostalgischer Wehmut) lebendig zu machen und in unsere Zeit zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Die Studierenden von morgen seien daher angehalten, so die \u00dcberzeugung der HEMU, sich Hilfsmittel anzueignen, um ihre musikalische Praxis weiter zu entwickeln, die eigenen beruflichen Ziele zu definieren, um einen Platz in der Gesellschaft zu finden und diese Werte und F\u00e4higkeiten so breit wie m\u00f6glich zu teilen. Abschliessend geht der Appell an alle: \"Seid Unternehmer; seid genauso in der Improvisation von Jazz-Standards wie bei Mozart zuhause und versucht herauszufinden, wie man sich an der Musikhochschule am besten bedient, indem man sein eigenes Angebot zusammenstellt und aktiv an der Entwicklung des Lehrplans innerhalb der akademischen Anforderungen teilnimmt.\"<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div>\n<hr>\n<\/div>\n<div class='text-section'>\n<h4>Beilage in SMZ 12\/2016<\/h4>\n<p>Unter dem Titel <em>Musik und Migration <\/em>publiziert die KMHS mit dieser Ausgabe der <em>Schweizer Musikzeitung<\/em> erstmals ihre j\u00e4hrliche Beilage. Das Ziel der Publikation ist es, die Breite und F\u00fclle der Schweizer Musikhochschulen hinsichtlich einer ausgew\u00e4hlten und brennenden Thematik zu beleuchten. So war es naheliegend, die Thematik Musik und Migration aufzugreifen - spielt sie nicht nur aktuell eine grosse geopolitische Rolle, sondern steht auch im politischen Kontext der Schweiz im Brennpunkt. Sie betrifft damit ebenso die international ausgerichteten Schweizer Musikhochschulen: Studierende und Dozierende, die ihre Heimat verlassen und in einem anderen Land heimisch werden, Musikerinnen und Musiker, die einen grossen Teil ihres Lebens auf Reisen sind und ihre Heimat selten sehen. Dies sind nur zwei Aspekte, die in der Beilage behandelt werden. Wir w\u00fcnschen viel Vergn\u00fcgen bei der Lekt\u00fcre.<\/p>\n<p>Under the title <em>Music and migration<\/em>CHEMS publishes this edition of the <em>Swiss Music Review<\/em> its first annual supplement. The aim of this publication is to highlight the diversity and richness of Swiss music colleges in relation to a given theme. The theme of Music and Migration was an obvious one, given the important role it currently plays not only in geopolitics, but also in the world of music: we need only think of the students and teachers who leave their homelands to pursue their training and have to find their feet in other lands, and of the musicians who spend a large part of their lives travelling and rarely see their country of origin. These are just two aspects of this theme, which this supplement aims to explore. We hope you enjoy reading it.<\/p>\n<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahresende ist die Zeit des Zur\u00fcck- und Nach-vorne-Blickens. Die Schweizer Musikhochschulen bewegen sich in einem auf die Zukunft ausgerichteten Umfeld. So sollen hier \u00dcberlegungen und Anregungen aus und \u00fcber die Musikhochschulen bez\u00fcglich der Zukunft der Studierenden zur Sprache gebracht werden. 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