{"id":28829,"date":"2017-04-10T00:00:00","date_gmt":"2017-04-09T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/blog\/2017\/04\/10\/ma-in-specialized-music-performance-in-genf-und-lausanne\/"},"modified":"2023-01-19T15:50:20","modified_gmt":"2023-01-19T14:50:20","slug":"ma-in-specialized-music-performance-in-genf-und-lausanne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/en\/basis\/2017\/04\/ma-in-specialized-music-performance-in-genf-und-lausanne","title":{"rendered":"MA in Specialized Music Performance in Genf und Lausanne"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"size-full\" src=\"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Logo_KMHS-2.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><strong>Die aktuelle Ausgabe wirft einen Blick auf die Studienprogramme des MA Specialized Music Performance an den Westschweizer Musikhochschulen von Genf\/Neuenburg und Lausanne. Dabei kommen Studierende zur Sprache, die \u00fcber ihre Entwicklung innerhalb und die Erfahrung mit dem Studiengang berichten.<\/strong><\/p>\n<div class='text-section'>\n<p><i>Matthias von Orelli -<\/i> Die Master of Arts in Specialized Music Performance an der Haute \u00c9cole de Musique Gen\u00e8ve - Neuch\u00e2tel (HEM) und an der Haute Ecole de Musique de Lausanne (HEMU - Vaud, Valais, Fribourg) sind im Rahmen der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO) identisch aufgebaut, weisen aber teilweise unterschiedliche Studienschwerpunkte auf. An beiden Schulen ist das Studium f\u00fcr eine begrenzte Anzahl von Studierenden vorgesehen, und es werden prim\u00e4r Studierende mit herausragenden k\u00fcnstlerischen F\u00e4higkeiten zum Studiengang zugelassen, wobei in Genf vor allem zwei Aspekte bei der Zulassung ber\u00fccksichtigt werden: eine bemerkenswerte k\u00fcnstlerische Pers\u00f6nlichkeit und\/oder die M\u00f6glichkeit, auf dem Gebiet der musikalischen Auff\u00fchrungspraxis innovative Forschungsans\u00e4tze beizusteuern. <\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Ausrichtungen<\/strong><\/p>\n<p>Innerhalb des Genfer Masterstudiums gibt es unterschiedliche Ausrichtungen. Beispielsweise jene des Dirigierens, wo das Ziel darin besteht, nach Abschluss des Studiums ein professionelles Ensemble leiten zu k\u00f6nnen, sei dies ein Sinfonieorchester, ein Kammerorchester, ein Opernensemble oder ein spezialisiertes Ensemble. Voraussetzung ist die Beherrschung eines Orchesterinstruments oder das Klavierspiel, zus\u00e4tzlich aber auch praktische Kenntnisse der Instrumental- und Vokalmusik, Verst\u00e4ndnis f\u00fcr stilistische Fragestellungen und der Ausweis \u00fcber eine hohe k\u00fcnstlerische Sensibilit\u00e4t. Gleichzeitig werden auch Repertoirekenntnisse und Partiturlesen erwartet. Und ein weiterer Punkt ist die F\u00e4higkeit, Proben zu planen und entsprechend umsetzen zu k\u00f6nnen - ein insgesamt sehr umfangreiches und anspruchsvolles Profil. Der Argentinier Nicol\u00e1s-Eduardo Duna absolviert den Master d'interpr\u00e9tation sp\u00e9cialis\u00e9e orientation direction d'orchestre in der Klasse von Laurent Gay in Genf. Selber bezeichnet er sich weder als Wunderkind noch entstammt er einer Musikerfamilie. \"Erst\" mit zw\u00f6lf Jahren begann er, sich f\u00fcr Musik zu interessieren und entschied folglich, die Musik auch zum Beruf werden zu lassen. So stand mit sechzehn Jahren der Entschluss fest, eine Dirigierausbildung zu machen, die mit privatem Klavierunterricht und Mitwirkung in einem Chor erg\u00e4nzt wurde. Eine schrittweise Ann\u00e4herung an die Welt der Musik, die, wie Duna selber sagt, mehr mit Einsatz als Talent verbunden war. Aufgrund eigener Onlinerecherchen ist Duna auf das Masterstudium in Genf aufmerksam geworden, was bedeutete, in Europa weiter zu studieren. <\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Erfahrungen<\/strong><\/p>\n<p>Besonders wichtig scheint Duna, dass man bereits eine umfangreiche Erfahrung mit ins Studium bringt und umfangreiche Musikkenntnisse vorweist, sei dies Harmonielehre, Kontrapunkt oder Orchestrierung. So geniesst er nun diese Ausbildung an einer, wie er sagt, exzellenten Schweizer Musikhochschule, wozu er auch die spannenden Kooperationen mit dem Orchestre de Chambre de Gen\u00e8ve oder der ZHdK z\u00e4hlt. Einzig bedauert er, dass ihm manchmal alles fast etwas zu schnell geht, um jeweils wirklich gut und fundiert vorbereitet vor dem Orchester zu stehen. Nach Abschluss des Studiums m\u00f6chte er gerne noch ein weiteres Masterstudium in Musiktheorie oder P\u00e4dagogik anschliessen, gleichzeitig sich aber auf Vordirigate und Dirigierwettbewerbe vorbereiten.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Weitere Schwerpunkte<\/strong><\/p>\n<p>Auch beim Schwerpunkt Chorleitung geh\u00f6ren die oben genannten Voraussetzungen dazu, wobei dann aber entweder eine Gesangsausbildung oder wiederum das Klavierspiel erfordert werden. Das Ziel des Studienschwerpunkts liegt entsprechend in der Leitung eines professionellen Chorensembles (ob nun Opern- oder Radiochor, oder wiederum ein Spezialistenensemble). <\/p>\n<p>Besondere Beachtung verdient in Genf die Studienausrichtung Mittelaltermusik, wo es neben den praktischen Fragen auch um philologische Forschungsfelder geht. Im Mittelpunkt stehen die musikalische Praxis und deren Besonderheiten hinsichtlich verschiedener Spieltechniken, Verzierungen oder der Improvisation. Damit tr\u00e4gt der Studienschwerpunkt der in den vergangenen Jahren zugenommenen Begeisterung f\u00fcr Alte Musik Rechnung. Da gerade die Forschung auf diesem Gebiet viele Erkenntnisse erlangt hat, versucht das Studium eine m\u00f6glichst breite Einsicht in das Gebiet zu erm\u00f6glichen, so dass kulturelle, technische und theoretische Kenntnisse gleichermassen gef\u00f6rdert werden. Dazu geh\u00f6rt auch die musikalische Praxis auf historischen Instrumenten, da sich diese stark von jener auf modernen Instrumenten unterscheidet, was sich verdeutlichen l\u00e4sst an der Auswahl bei den Tasteninstrumenten, wo Cembalo, Clavichord, Hammerklavier oder Orgel zur Auswahl stehen.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Lausanne<\/strong><\/p>\n<p>Auch an der Haute \u00c9cole de Musique de Lausanne (HEMU) findet sich der MA in Specialized Music Performance, und der Werdegang der Schweizer S\u00e4ngerin Marina Viotti verdeutlicht das vielf\u00e4ltige Angebot dort eindr\u00fccklich. Die Tochter eines Musikerehepaars kam schon fr\u00fch mit Konzert und Oper in Ber\u00fchrung. Doch als sie mit sieben Jahren S\u00e4ngerin werden wollte, empfanden es die Eltern als zu fr\u00fch - sie solle doch zuerst Querfl\u00f6te spielen. Dies tat sie dann auch, studierte anschliessend Literatur und Philosophie in Lyon und sang daneben in einer Metal Band. Mit 21 Jahren ging sie nach Marseille und studierte dort Kulturmanagement, erg\u00e4nzte dies aber mit einer Ausbildung in Chorleitung, worauf der Lehrer meinte, sie solle doch singen. Obwohl sie damals vergleichsweise schon alt war, wagte sie den Wechsel, \u00fcbersiedelte nach Wien und studierte privat bei Heidi Brunner, weil die dortige Universit\u00e4t ihren Antrag aufgrund des sp\u00e4ten Beginns mit dem Singen nicht bewilligte. Drei Jahre studierte sie in Wien, arbeitete an der Wiener Staatsoper und sang abermals in einem Chor. Der Entscheid, in Lausanne zu studieren war mit dem Wunsch verbunden, ihrem Leben eine klare Struktur zu geben. So folgte das Masterstudium bei Brigitte Balleys, welches sie im letzten Jahr abschloss. F\u00fcr Viotti liegt der grosse Vorteil des Studiums (neben dem aufgebauten Netzwerk, der zahlreichen Unterst\u00fctzung durch die Hochschule und die gesammelte Erfahrung) darin, dass sie bereits erste Recitals, Oratorien und sogar Rollen an der Op\u00e9ra de Lausanne singen konnte. Alles, was sie an der Hochschule lernte (etwa K\u00f6rperausruck, Phonetik, Improvisation, Singen, Schauspiel) konnte sie gleich in die Praxis umsetzen. Und ein H\u00f6hepunkt war sicherlich das Orchesterkonzert am Ende des Studiums. <\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Flexibilit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Was Marina Viotti auffiel war, dass das Studium einerseits Leitplanken bot, andererseits eine grosse Flexibilit\u00e4t innerhalb derselben m\u00f6glich war, um sich entwickeln zu k\u00f6nnen. Zu dieser Entwicklung geh\u00f6ren auch die Crossover-Projekte, wo Konzerte Klassik, Pop und Jazz kombinieren, Projekte mit zeitgen\u00f6ssischer Musik und Meisterkurse mit Schwerpunkt Barock angeboten werden, oder Studierende an der \u00c9cole de Jazz et de Musique Actuelle auftreten k\u00f6nnen. Diese grenz\u00fcbergreifenden Projekte erachtet Viotti in der heutigen Zeit als besonders f\u00f6rderlich. Dazu geh\u00f6ren, was Nicol\u00e1s-Eduardo Duna f\u00fcr Genf schon heraushob, die Kooperationen - in Lausanne etwa mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne oder der Op\u00e9ra de Lausanne. Gerade Auditions an der Op\u00e9ra erachtet Viotti als grossen Luxus im Vergleich zu anderen Musikhochschulen. Das dreij\u00e4hrige Masterstudium schloss Viotti 2016 ab, bereichert mit einem umfangreichen Netzwerk und erster Berufserfahrung. Vermutlich auch deswegen ist ihr Kalender f\u00fcr die n\u00e4chsten beiden Jahre ausgef\u00fcllt, vorwiegend in der Schweiz mit Opernproduktionen in Lausanne, Genf oder Luzern, aber auch mit Konzerten und zwei Opernproduktionen im Ausland. <\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Studienabschluss mit CD-Aufnahme<\/strong><\/p>\n<p>Die Anforderungen an Studierende des Masterstudiums an der HEMU Lausanne sind vergleichbar mit jenen in Genf, denn auch in Lausanne ist es die Absicht, den Master einer kleinen Anzahl von Studierenden, welche herausragende F\u00e4higkeiten besitzen und eine Karriere auf h\u00f6chstem Niveau anstreben, zu erm\u00f6glichen. Die Kr\u00f6nung des Masters bildet unter anderem eine CD-Produktion, was die Moldauerin Alexandra Conunova besonders inspirierte. Die Gewinnerin des Internationalen Joseph Joachim Violinwettbewerbs in Hannover und des Tschaikowski-Wettbewerbs in Moskau hatte eigentlich nicht die Absicht, noch einen zweiten Master zu machen. Aber als sich die M\u00f6glichkeit bot, bei Renaud Capu\u00e7on studieren zu k\u00f6nnen \u00e4nderte sie ihre Meinung. Conunova betont, dass die freie Einteilung des Studiums bez\u00fcglich des Zeitplans ein grosser Vorteil sei, der Fokus liege ganz klar auf dem Instrument. Nach Abschluss der beiden Studienjahre wird eine komplette CD-Einspielung hergestellt, was bedeutet, diese tats\u00e4chlich selber zu gestalten. Da sind Kreativit\u00e4t beim Cover-Layout, sprachliche Gewandtheit beim Formulieren des Booklet-Textes und der Beschreibung der eingespielten Werke sowie technisches Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die qualitativ hochstehende Aufnahme und deren Bearbeitung gefragt. Eine sehr herausfordernde Arbeit, aber eben auch eine einzigartige und wichtige Erfahrung, welche die HEMU ihren Studierenden damit erm\u00f6glicht. F\u00fcr Conunova war der Master ein wichtiges Sprungbrett. In der Zwischenzeit arbeitet sie mit vier Agenturen zusammen, die sie in vier L\u00e4ndern vertreten. Und so ist sie der Meinung, dass sie das Gl\u00fcck hatte, im richtigen Moment den richtigen Personen begegnet zu sein. Und das Ziel bleibt seit Jahren dasselbe: selber gl\u00fccklich zu sein und die Mitmenschen an der ehrlichen Art des Musizierens teilhaben zu lassen. Sie selber will weiterhin verstehen und studieren, was das Leben und die Werke eines Komponisten ausmachen - das Masterstudiums hat sie in all dem best\u00e4rkt.<\/p>\n<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aktuelle Ausgabe wirft einen Blick auf die Studienprogramme des MA Specialized Music Performance an den Westschweizer Musikhochschulen von Genf\/Neuenburg und Lausanne. Dabei kommen Studierende zur Sprache, die \u00fcber ihre Entwicklung innerhalb und die Erfahrung mit dem Studiengang berichten. 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