{"id":28835,"date":"2017-08-21T00:00:00","date_gmt":"2017-08-20T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/blog\/2017\/08\/21\/summertime\/"},"modified":"2023-01-19T15:50:20","modified_gmt":"2023-01-19T14:50:20","slug":"summertime","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/en\/basis\/2017\/08\/summertime","title":{"rendered":"Summertime"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"size-full\" src=\"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Logo_KMHS-2.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><strong>In den Sommermonaten waren viele Musikerinnen und Musiker unterwegs. Sie besuchten ihre Familien, traten bei Festivals auf, nahmen an Meisterkursen teil oder legten das Instrument einmal beiseite. Doch was bedeutet diese Zeit f\u00fcr sie tats\u00e4chlich?<\/strong><\/p>\n<div class='text-section'>\n<p><i>Matthias von Orelli -<\/i> Der Cellist Joachim M\u00fcller-Cr\u00e9pon (JMC), der Pianist Alexander Boeschoten (AB) und die Trompeterin Manuela Fuchs (MF) geben in einem Gespr\u00e4ch Auskunft, wie sie den Sommer verbracht haben, welche Bedeutung diese Zeit f\u00fcr sie hat und welchen Stellenwert ihre Ausbildung an einer Schweizer Musikhochschule hat.<\/p>\n<p><strong><i>Stellen Sie sich doch bitte kurz vor...<\/i><\/strong><\/p>\n<p><i>MF:<\/i> Aufgewachsen auf einem Luzerner Bauernhof, wollte ich schon als kleines M\u00e4dchen Trompete lernen. Ob Filmmusik oder die hiesige Dorfmusik als Inspirationsquelle diente kann ich nicht mit abschliessender Sicherheit beantworten. Ich sch\u00e4tze die stilistische Vielfalt, welche dieses Instrument mit sich bringt sehr und lebe es mit meiner klassischen Ausbildung so gut es geht aus. <\/p>\n<p><i>JMC:<\/i> Ich bin Cellist, 29 Jahre alt, in Z\u00fcrich aufgewachsen, und ich habe vor einem Jahr mein Studium in Basel bei Thomas Demenga mit einem Master in Solo Performance abgeschlossen.<\/p>\n<p><i>AB:<\/i> Ich bin auch nur ein Mensch...<\/p>\n<p><strong><i>An welcher Schweizer Musikhochschule haben Sie studiert?<\/i><\/strong><\/p>\n<p><i>MF:<\/i> Den Bachelor absolvierte ich bei Laurent Tinguely an der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste, f\u00fcr den Orchester- und Solistenmaster wechselte ich zu Klaus Schuhwerk an die Hochschule f\u00fcr Musik Basel.<\/p>\n<p><i>JMC:<\/i> Als Jungstudent war ich in Z\u00fcrich und Winterthur, damals HMT, heute ZHdK. Dort habe ich auch mit einem Bachelor in Musik abgeschlossen. Nach einer Weile im Ausland habe ich in Basel meinen P\u00e4dagogik-Master und, wie gesagt, den Solo Performance Master gemacht.<\/p>\n<p><i>AB:<\/i> Ich habe meine Ausbildung an der Musik-Akademie Basel bei Ronald Brautigam und in Z\u00fcrich an der ZHdK bei Homero Francesch geniessen d\u00fcrfen.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Sommerzeit - Festivalzeit<\/strong><\/p>\n<p><strong><i>Die Sommer- und Ferienzeit geht nun zu Ende. Wie haben Sie diese Monate verbracht?<\/i><\/strong><\/p>\n<p><i>MF:<\/i> Ein Highlight war sicherlich die Zeit beim Davos Festival, eine Inspirationsquelle sondergleichen mit vielen hervorragenden Musikern und einer einzigartigen Energie. Eine Woche ging f\u00fcr den Umzug drauf, sonst gab es viele kleinere Engagements, darum hat sich keine l\u00e4ngere Pause ergeben, um richtig abschalten zu k\u00f6nnen. Nach einer Woche Pause brauche ich wieder etwa eine Woche sauberen Aufbau - ich vergleiche es gerne mit einem Spitzensportler, der rennt den Marathon normalerweise auch nicht ohne Training.<\/p>\n<p><i>JMC:<\/i> Da ich seit einem Jahr eine Stelle am Konservatorium Bern habe, waren meine Ferien auf gut sechs Wochen. Ich war bis Mitte Juli noch sehr besch\u00e4ftigt mit Unterrichten und Konzerten und habe mir dann von Ende Juli bis Mitte August eine kleine Auszeit in S\u00fcdafrika geg\u00f6nnt, wo ich zwei Jahre studiert habe und noch immer viele Freunde habe. Mein Instrument hat mich begleitet, und somit konnte ich dort auch Konzerte spielen und mich auf die kommende Konzertsaison vorbereiten.<\/p>\n<p><i>AB:<\/i> Ferienzeit gibt es f\u00fcr einen Musiker eigentlich nicht. Trotzdem ist der Sommer eine besondere Zeit, da der Konzertbetrieb in den St\u00e4dten stillsteht und sich das kreative Schaffen in diversen wunderbaren Festivals b\u00fcndelt.<\/p>\n<p><strong><i>Was bedeutet f\u00fcr Sie Ferien? Ist es tats\u00e4chlich eine Zeit zum Ausspannen oder vielmehr eine Zeit, sich vom Alltag des Studiums zu erholen?<\/i><\/strong><\/p>\n<p><i>MF:<\/i> F\u00fcr mich sind es nebst \u00fcbefreier Zeit auch Tage ohne Organisations- und B\u00fcroarbeiten, was fast wichtiger ist, um den Kopf frei zu kriegen, zumal sich bei mir diese mentalen to-do-Listen nicht per Knopfdruck abstellen lassen.<\/p>\n<p><i>JMC:<\/i> W\u00e4hrend meines Studiums habe ich die Sommerzeit meistens in Kursen oder an Festivals verbracht. Da blieben h\u00f6chstens ein paar Tage, um etwas Abstand vom Instrument zu nehmen. Ich habe aber vor ein paar Jahren angefangen, ein paar Tage pro Jahr fix einzuplanen an denen das Instrument auf die Seite gelegt wird und andere Dinge Platz finden k\u00f6nnen. Es ist f\u00fcr mich ein Kr\u00e4fte- und Gedanken-Sammeln f\u00fcr die kommende Saison. Manchmal kommt man aus solchen Phasen auch mit neuen Perspektiven auf das eigene Spiel und die Musik heraus, welche man durch das stetige Sich-Mit-der-Musik-befassen vielleicht nicht erlangt. Das empfinde ich als ungemein erfrischend.<\/p>\n<p><i>AB:<\/i> Ich denke, dass Ferien, also eine Zeit des Abstandnehmens und der Erholung, essentiell sind f\u00fcr jedes kreative Schaffen. Trotzdem habe ich dieses innige Bed\u00fcrfnis nach Ferien seit meiner Schulzeit nicht mehr empfunden - daf\u00fcr ist unser Beruf einfach zu sch\u00f6n.<\/p>\n<p><strong><i>Gibt es auch einen Moment, in dem Sie gl\u00fccklich sind, das Instrument f\u00fcr ein paar Tage nicht anfassen zu m\u00fcssen?<\/i><\/strong><\/p>\n<p><i>MF: <\/i>Absolut! Ende Saison ist man mental m\u00fcde. Ein Freund am\u00fcsiert sich dar\u00fcber, dass bei mir die Instrumente dann in den Keller wandern.<\/p>\n<p><i>JMC:<\/i> Auf jeden Fall. Wenn es gut geplant ist und ich aus tiefer \u00dcberzeugung mir diese \"Freizeit\" g\u00f6nne, dann ist das wunderbar. Genauso wunderbar ist es dann, ans Instrument zur\u00fcckzukommen. Es ist vielleicht etwas \u00e4hnlich wie bei einer Beziehung, wenn man sich mal ein paar Tage nicht sieht. Danach freut man sich (so hoffe ich doch), das Gegen\u00fcber wieder zu sehen und sich \u00fcber Erlebtes auszutauschen.<\/p>\n<p><i>AB:<\/i> Aber sicher, nach einer Woche juckt es dann aber wieder in den Fingern.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Hochschulmodelle<\/strong><\/p>\n<p><strong><i>Sie kennen viele Musikerinnen und Musiker aus anderen L\u00e4ndern. Sprechen Sie mit diesen auch \u00fcber die unterschiedlichen Hochschulmodelle?<\/i><\/strong><\/p>\n<p><i>MF:<\/i> Dieser Austausch findet spannenderweise vorwiegend mit anderen Trompetern statt.<\/p>\n<p><i>JMC:<\/i> Ehrlich gesagt habe ich das so noch nie erlebt. \u00dcber andere Hochschulen hab ich mich wohl informiert, aber das Hochschulmodell verglichen habe ich h\u00f6chstens in S\u00fcdafrika, wo ich an einer Universit\u00e4t studiert habe und nicht an einer Hochschule.<\/p>\n<p><i>AB: <\/i>Ja, klar, aber am Ende steht und f\u00e4llt das Ganze mit dem Namen und der Klasse der Hauptfachdozenten. Die Institution ist dabei sekund\u00e4r.<\/p>\n<p><strong><i>Was f\u00e4llt Ihnen dabei auf, oder anders gefragt: wie sehen Sie die Schweizer Musikhochschulen im internationalen Vergleich?<\/i><\/strong><\/p>\n<p><i>MF:<\/i> ... dass das Bologna-System international - nicht mal schweizweit - einheitlich geregelt ist.<\/p>\n<p><i>JMC:<\/i> Ich glaube, wir k\u00f6nnen uns grunds\u00e4tzlich sehr gl\u00fccklich sch\u00e4tzen in der Schweiz. Die Auswahl an Studienorten sowie die Vielfalt sind f\u00fcr ein kleines Land doch sehr beachtlich, und ich glaube auch, dass die Schweizer Musikhochschulen den inter- na-tionalen Vergleich nicht scheuen m\u00fcssen. Ich bin sehr froh, dass ich hier gr\u00f6sstenteils mein Studium machen konnte.<\/p>\n<p><i>AB:<\/i> Das ist ganz unterschiedlich, es gibt an den meisten Schulen gute und schlechte Klassen und nur ein paar wenige erreichen eine internationale Ausstrahlung.<\/p>\n<p><strong><i>Sehen Sie Punkte, die man Ihrer Meinung nach verbessern m\u00fcsste an diesem System?<\/i><\/strong><\/p>\n<p><i>MF:<\/i> Zum Beispiel der Hauptfachunterricht: An gewissen Schulen sind im dreij\u00e4hrigen Bachelor 60 Minuten eingeplant, an anderen 90 Minuten, w\u00e4hrend ich von einer deutschen Hochschule weiss, dass der Bachelor dort vier Jahre dauert und man 120 Minuten Unterricht zugute hat. In \u00d6sterreich wiederum hat man in diesen vier Jahren sogar noch einen p\u00e4dagogischen Abschluss. Wie kann das kompatibel sein?<\/p>\n<p><i>JMC:<\/i> Da wir vorher \u00fcber Ferien und Sommermonate gesprochen haben w\u00e4re es vielleicht ein Gedanke wert, ob man die Semesterpause nicht den umliegenden europ\u00e4ischen L\u00e4ndern anpassen sollte. Als Student kann es manchmal zu schwierigen Momenten kommen, wenn ein Meisterkurs erst sehr sp\u00e4t im Sommer stattfindet und die Hochschulen in der Schweiz schon Mitte September zur gleichen Zeit wieder den Betrieb aufnehmen.<\/p>\n<p><i>AB:<\/i> Das Bologna-System ist f\u00fcr die Musik absoluter Unsinn, aber der Trend nach einer internationalen Gleichschaltung und digitalen Strukturierung ist wohl kaum mehr aufzuhalten.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Schweizer Musikleben<\/strong><\/p>\n<p><strong><i>Wie empfinden Sie das Schweizer Musikleben grunds\u00e4tzlich?<\/i><\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Sommermonaten waren viele Musikerinnen und Musiker unterwegs. 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