{"id":28846,"date":"2018-03-13T00:00:00","date_gmt":"2018-03-12T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/blog\/2018\/03\/13\/die-forschung-an-der-zhdk\/"},"modified":"2023-01-19T15:50:22","modified_gmt":"2023-01-19T14:50:22","slug":"die-forschung-an-der-zhdk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/en\/basis\/2018\/03\/die-forschung-an-der-zhdk","title":{"rendered":"Die Forschung an der ZHdK"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"size-full\" src=\"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Logo_KMHS-2.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><strong>In dieser Ausgabe stehen, nachdem Genf in der November-Ausgabe beleuchtet wurde, die Forschungsabteilungen der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste (ZHdK) im Mittelpunkt und verdeutlichen deren Vielseitigkeit.<\/strong><\/p>\n<div class='text-section'>\n<p><i>MvO -<\/i> Im Zuge der Etablierung der Forschung an den Fachhochschulen hat die ZHdK ihre Forschungst\u00e4tigkeit intensiviert. Sieben Institute und zwei selbst\u00e4ndige Forschungsschwerpunkte sind vor allem im Bereich der k\u00fcnstlerischen Forschung t\u00e4tig, unter anderem auch in der Kulturvermittlung und in der Musikwissenschaft. Die Anf\u00e4nge der Forschung an der ZHdK reichen bis in die neunziger Jahre zur\u00fcck, als aufgrund der Forschungsverpflichtung Daniel Fueter, damals Direktor des Konservatoriums und der Musikhochschule Z\u00fcrich, das Thema aufnahm und mit einer Gruppe Gleichgesinnter verfolgte. Bereits damals zeigte sich, dass der Bereich, den Gerald Bennett betreute (er war neben seiner Gr\u00fcndert\u00e4tigkeit f\u00fcr das IRCAM in Paris auch Mitbegr\u00fcnder des Schweizerischen Zentrums f\u00fcr Computermusik) ein Alleinstellungsmerkmal f\u00fcr die sp\u00e4tere ZHdK bilden k\u00f6nnte. Daraus ist dann in der Folge die Gr\u00fcndung des Institute for Computer Music and Sound Technology (ICST) erfolgt, das Musik im Kontext neuer Technologien erforscht. Schon bald haben sich immer deutlicher einzelne Schwerpunkte herauskristallisiert. Die Forschungsprojekte der ZHdK werden von nationalen Institutionen wie dem SNF und innosuisse (ehemals KTI), von privaten Stiftungen oder von der EU gef\u00f6rdert oder sind Kooperationen mit Universit\u00e4ten, der ETH, Fachhochschulen, anderen Forschungseinrichtungen und mit Wirtschaftspartnern. <\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Institute for Computer Music and Sound Technology (ICST)<\/strong><\/p>\n<p>Es liegt in der Natur der Sache, dass die Forschung am ICST besonders interdisziplin\u00e4r angelegt ist und \u00fcber eine enorme Bandbreite verf\u00fcgt, was gleichermassen naturwissenschaftliche wie auch k\u00fcnstlerische Aspekte aufweist. Einige Beispiele aus dem aktuellen Projektkatalog werden anbei vorgestellt.<\/p>\n<p>Das Gebiet der Audiohaptik geht der Frage nach, welche Relevanz Schwingungen \u00fcber ein haptisches Feedback bei Instrumenten f\u00fcr die Genauigkeit des Musizierens haben. Dazu hat das ICST Wahrnehmungsstudien und experimentelle Untersuchungen durchgef\u00fchrt, aus welchen die Frage resultiert, wie elektronische Musikinstrumente in der Zukunft aussehen k\u00f6nnen und welche Verbesserungen das haptisches Feedback dabei erm\u00f6glicht. Da bisher auf diesem Gebiet systematisch wenig erforscht wurde, sind die Erkenntnisse des ICST umso wichtiger, zumal Stefano Papetti und seine Gruppe diese in Publikationen und auf internationalen Konferenzen vorstellen konnte. <\/p>\n<p>Die Forschung im Bereich von Interfaces hat mittlerweile auch anwendbare Ergebnisse erzeugt. Ausgangspunkt war das Projekt SABRe, \u00fcber eine mit Sensoren erweiterte Bassklarinette, aus dem sich zun\u00e4chst ein startup-Unternehmen entwickelte, welches anfangs M\u00e4rz den SABRe Multi Sensor auf den Markt bringen konnte. Es handelt sich dabei um ein modulares System mit diversen Sensoren, welches zwischenzeitlich nicht nur f\u00fcr Klarinetten und Saxophone anwendbar ist, sondern auf zahlreiche Objekte montiert werden kann. <\/p>\n<p>Bei dem Projekt Trees, \u00d6kophysiologische Prozesse h\u00f6rbar machen und dem Folgeprojekt Sounding Soil geht es um die Erforschung von Naturkl\u00e4ngen und ihrer Relevanz f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von \u00d6kosystemen. Mit Klanginstallationen k\u00f6nnen Menschen einerseits sensibilisiert werden, andererseits wird damit die Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft erfahrbar. Der naturwissenschaftliche Aspekt wird in Kooperation mit der Eidgen\u00f6ssischen Forschungsanstalt f\u00fcr Wald (WSL) und der ETH gemeinsam untersucht. <\/p>\n<p>Das ICST stellt sich aber auch den Fragen der Kommunikation sowie der Erfahrung und den M\u00f6glichkeiten neuer Technologien. Welche Bedeutung hat ein telematisches Umfeld f\u00fcr die Musik(-auff\u00fchrung), wie sieht eine telematische Performance aus, wie k\u00f6nnen neue Technologien eingesetzt werden, damit Musiker gemeinsam spielen k\u00f6nnen, ohne im selben Raum sein zu m\u00fcssen? Was sind die Chancen und Probleme, die durch eine zeitliche Verz\u00f6gerung (den so genannten delay) entstehen? Das Institut entwickelt hierf\u00fcr Tools, um diese Ph\u00e4nomene verstehen und anwenden zu k\u00f6nnen. Ein weiteres Thema sind Games. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie man Gamestrategien in musikalische Kompositionen und Auff\u00fchrungen integriert und was diese f\u00fcr einen Einfluss auf Musiker und Publikum haben. <\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Forschungsschwerpunkt Musikalische Interpretation<\/strong><\/p>\n<p>Ein bedeutender Forschungsschwerpunkt auf dem Gebiet der Musikalischen Interpretation bildet das Schaffen von Anton Webern. Da die Analyse einer performativen Interpretation von der Musik des 20. Jahrhunderts in der Interpretationsforschung noch kaum eine Tradition kennt, ist die Frage nach einer Auff\u00fchrungslehre dodekaphoner Musik bzw. nach Regeln ihrer Auff\u00fchrungspraxis (beispielsweise bei Tempo- oder Intonationsfragen) von grosser Bedeutung. Im Bereich der \u00e4lteren Interpretationsgeschichte stehen Generalbass-Realisierungen des 19. und 20. Jahrhunderts zur Diskussion. Des Weiteren legt die Forschungsabteilung einen Schwerpunkt auf die Z\u00fcrcher Musikgeschichte, hier w\u00e4re die Gesamtausgabe von Erich Schmid, aber auch Forschungen zu Leben und Werk von Stefi Geyer oder Adolf Busch oder die Betreuung der umfangreichen Tonbandsammlung von Fritz Muggler zu nennen. <\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Musikphysiologie<\/strong><\/p>\n<p>Zum Forschungsschwerpunkt Musikalische Interpretation des Departements Musik der ZHdK geh\u00f6rt auch der Schwerpunkt Musikphysiologie, welcher eine internationale Ausstrahlung geniesst. Geforscht wird etwa auf dem Gebiet von Lampenfieber und B\u00fchnenkompetenz und zur Vorsorge und \u00dcberwindung der starken Belastungen und Fehlstellungen beim Spielen von Streichinstrumenten, Klavier oder Schlagzeug. Das Z\u00fcrcher Zentrum Musikerhand (ZZM), auch Handlabor genannt, geh\u00f6rt ebenfalls zum Bereich der Musikphysiologie. Hier werden biomechanische Messungen durchgef\u00fchrt und Beratungen angeboten, welche die verschiedenen Belastungsfaktoren eines Musikers erfassen und zu minimieren helfen. Schon daran erkennt man, wie breit das Gebiet ist, welches von der Physiologie bis zur Neuropsychologie reicht. <\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Forschung und Lehre<\/strong><\/p>\n<p>Ein Ziel der Forschung an der ZHdK besteht darin, einen gr\u00f6sseren Transfer zwischen der Forschung und der Lehre zu erreichen. Auch wenn im Moment noch alle Praktiker grosses Interesse an der Forschung zeigen, so fliessen dank den Lehrveranstaltungen f\u00fcr Bachelor- und Masterstudierende die Ergebnisse aus der Forschung immer st\u00e4rker in die Lehre ein. Dieser Konnex soll aber noch verst\u00e4rkt und m\u00f6gliche Synergien besser genutzt werden. Der Reader zur historischen Auff\u00fchrungspraxis von Dominik Sackmann ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr. Die Musikphysiologie ist ebenso gewichtig in der Lehre verankert, was sich auch daran zeigt, dass auf der Basis eines k\u00fcrzlich an der ZHdK abgeschlossenen SNF-Forschungsprojekts zu individuell geeigneten Violinpositionen ein Kinnhaltermodell mit dem Namen Zuerich vorgestellt werden konnte. Dieses erlaubt durch diverse H\u00f6hen- und Winkeleinstellungen verschiedene individuelle Kopfpositionen auch w\u00e4hrend des Spielens in Sinne einer Erm\u00fcdungsprophylaxe. Auch die ICST-Forschung ist eng mit der Praxis verkn\u00fcpft, denn neben der experimentellen Forschung braucht es in allen Bereichen der Forschung die Interaktion mit Komponisten und Performern, einige Forscher sind gleichzeitig Dozenten. Das Potential der letztgenannten Forschung hat bewirkt, dass das Repertoire der elektronischen Musik an der ZHdK deutlich pr\u00e4senter wurde, die Angebote f\u00fcr Master- und Bachelorstudierende auf dem Gebiet zahlreicher geworden sind und das Interesse an der Live-Elektronik bei Dozenten und Studierenden steigt, so dass das Repertoire einen immer nat\u00fcrlicheren Eingang in den Unterricht findet.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Geh\u00f6rt Musikforschung an eine Fachhochschule?<\/strong><\/p>\n<p>Im Gegensatz zur universit\u00e4ren Musikwissenschaft ist das Erklingende und deren Herstellung, die Arbeit mit Kl\u00e4ngen oder am Klang oder die zum Klingen gebrachte Musikgeschichte der wesentliche Forschungsgegenstand an der ZHdK. Und diese Forschung, davon ist Dominik Sackmann \u00fcberzeugt, hat eine grosse Bedeutung f\u00fcr das ganze Departement Musik, weil sie diese ver\u00e4ndern kann. Denn aufgrund der Forschung wird die aktive Neugierde angeregt, was enorm wichtig ist f\u00fcr eine Hochschule. Gerade an einem Ort, wo Interpretation unterrichtet wird, muss auch die Frage nach einer inkompetenten oder unvollst\u00e4ndigen Interpretation gestellt werden k\u00f6nnen. Doch eine solche kann nur aufgedeckt und korrigiert werden, wenn die Forschung zeitgem\u00e4sse Antworten und M\u00f6glichkeiten daf\u00fcr bereith\u00e4lt. So kann die Forschung zum Motor werden, um die Interpretationen auf dem Erkenntnisstand der Zeit zu halten. Und dieses Verst\u00e4ndnis sollte sich auch auf die Studierenden \u00fcbertragen, auf die n\u00e4chste Generation von K\u00fcnstlern, die offen und neugierig ist - letzten Endes aber auch auf die Dozierenden. <\/p>\n<p>Diese Perspektive nimmt auch das ICST ein, im Bewusstsein, dass wir aufgrund neuer Medientechnologien anders kommunizieren, immer neue Kan\u00e4le haben, um Informationen auszutauschen, was unser Leben bisweilen radikal ver\u00e4ndert. Die Kunst ist dabei eminent wichtig, weil sie die kritische Funktion einnimmt zu \u00fcberlegen, wie diese Technologien uns ver\u00e4ndern und wie sie die Kunsterzeugung und deren Rezeption beeinflussen. Es geht dabei nicht darum, noch mehr Gadgets zu erzeugen, sondern die Chancen und Risiken technologischer Innovationen im Bereich der k\u00fcnstlerischen Produktion zu erkennen. <\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'>\n<p><strong>Herausforderung und Ziele<\/strong><\/p>\n<p>Die Forschung an der ZHdK m\u00f6chte noch n\u00e4her an die Praxis gelangen, noch sichtbarer werden und enger mit den Studieng\u00e4ngen verschr\u00e4nkt sein. Dereinst m\u00fcsste die Forschung an einer Kunsthochschule selbstverst\u00e4ndlicher Bestandteil des Curriculums sein. Dabei bleibt aber die Frage, wie dies finanziert und wie die Drittmittelquote erreicht werden kann. Es stellt sich aber auch die Frage, wo der wissenschaftliche Nachwuchs dereinst herkommt. Das strukturelle Problem liegt darin, dass Schweizer Kunsthochschulen noch keine eigenen PhD-Programme anbieten k\u00f6nnen, dies w\u00e4re aber f\u00fcr den Nachwuchs wichtig und unterscheidet die Schweiz von anderen L\u00e4ndern, bei denen die Kunsthochschulen durch den Universit\u00e4ts-Status einen dritten Zyklus haben. Gl\u00fccklicherweise kann sich das Department Musik der ZHdK mit einer intensiven Kooperation mit der Kunstuniversit\u00e4t Graz behelfen.<\/p>\n<p>Eine weitere Herausforderung der Forschung besteht im Ziel, die Eigenst\u00e4ndigkeit bei der Wahl von Methoden und Inhalten bewahren zu k\u00f6nnen. Dies ist vor allem hinsichtlich des Wettbewerbs um Drittmittel relevant und braucht Verst\u00e4ndnisschaffung in der wissenschaftlichen Community. Es muss den Forschungsdepartementen gelingen, die Anliegen deutlich zu machen. Daf\u00fcr k\u00f6nnen auch Kooperationen wichtig sein. Das ICST ist ein grosser Magnet f\u00fcr Kooperationen mit anderen relevanten Instituten auf dem Gebiet. So oder so ist es wichtig, dass gute Kontakte zwischen den Musikhochschulen gepflegt werden.<\/p>\n<p><b>> <a href='http:\/\/www.zhdk.ch\/forschung'>www.zhdk.ch\/forschung<\/a><\/b><\/p>\n<p><b>> <a href='http:\/\/icst.net'>icst.net<\/a><\/b><\/p>\n<p><b>> <a href='http:\/\/www.zhdk.ch\/forschungsschwerpunkt-musikalische-interpretation-1414'>www.zhdk.ch\/forschungsschwerpunkt-musikalische-interpretation-1414<\/a><\/b><\/p>\n<p><b>> <a href='http:\/\/www.sabre-mt.com'>www.sabre-mt.com <\/a><\/b><\/p>\n<p><b>> <a href='http:\/\/blog.zhdk.ch\/soundingsoil\/'>blog.zhdk.ch\/soundingsoil\/<\/a><\/b><\/p>\n<p><b>> <a href='http:\/\/blog.zhdk.ch\/trees\/'>blog.zhdk.ch\/trees\/<\/a><\/b><\/p>\n<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser Ausgabe stehen, nachdem Genf in der November-Ausgabe beleuchtet wurde, die Forschungs\u00adabteilungen der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste (ZHdK) im Mittelpunkt und verdeut\u00adlichen deren Vielseitigkeit. 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