{"id":28898,"date":"2021-02-23T00:00:00","date_gmt":"2021-02-22T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/blog\/2021\/02\/23\/cheffes-dorchestre\/"},"modified":"2023-01-19T15:50:26","modified_gmt":"2023-01-19T14:50:26","slug":"cheffes-dorchestre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/en\/basis\/2021\/02\/cheffes-dorchestre","title":{"rendered":"Conductors"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"size-full\" src=\"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Logo_KMHS-3.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><strong>Women conductors are increasingly present in the world of classical music. This article aims to awaken vocations by reflecting on this phenomenon with conductor Graziella Contratto.<\/strong><\/p>\n<div class='text-section'>\n<p><i>Antoine Gilli\u00e9ron - <\/i>After almost twelve intense years as head of the HKB's music department, Graziella Contratto has just stepped down. She talks to us about her vision for the feminization of the profession and support for the next generation of female musicians.<\/p>\n<p><strong><i>Graziella Contratto, wie blicken Sie auf Ihre Jahre an der KMHS zur\u00fcck?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Als ich vor bald 12 Jahren in der Nachfolge von Romand Brotbeck die Leitung des Fachbereichs Musik an der HKB \u00fcbernommen habe, wusste ich - und das erging wahrscheinlich vielen Kolleg*innen meiner Generation so - nicht pr\u00e4zise, was mich erwarten w\u00fcrde: Ich traf auf eine eher kleine, daf\u00fcr hochindividualisierte Hochschule mit mehreren Nischenangeboten, auf eine Kunsthochschule, in der Transdisziplinarit\u00e4t von Anfang an als eine Basis f\u00fcr k\u00fcnstlerisches Arbeiten und Ausbilden angelegt worden war. Aber ich sp\u00fcrte auch, dass viele der genialen Visionen meines Vorg\u00e4ngers noch der Umsetzung harrten. Ich selbst war damals vor allem als Dirigentin und Festivalleiterin unterwegs, hatte einige Doziererfahrungen als Musiktheoretikerin vorzuweisen und w\u00e4hrend mehr als zehn Jahren in Berlin und in Frankreich gearbeitet - es war also ganz pers\u00f6nlich betrachtet gleichzeitig eine Heimkehr und eine Ankunft in offenem Terrain. Dasselbe galt auch f\u00fcr meine Mitwirkung an der KMHS.<\/p>\n<p><strong><i>How do you see women conductors today, and the challenges they still face?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Die aktuelle Dirigentinnengeneration erlebt gerade eine fantastische F\u00f6rderphase - von Dirigierdozierenden h\u00f6re ich sogar, dass junge Orchesterleiterinnen sofort eine Agentur finden, w\u00e4hrend gleichaltrige junge M\u00e4nner sich zum ersten Mal um eine sch\u00e4rfere Profilierung k\u00fcmmern m\u00fcssen. Aber wie auch schon in fr\u00fcheren Jahren m\u00f6chte ich diese Frage nicht auf die Genderebene reduzieren - wir sehen, dass Diversit\u00e4t auch in der Dirigierwelt angekommen ist. Noch nie war die kulturelle Herkunft der Dirigent*innen so vielf\u00e4ltig, nach einer l\u00e4ngeren s\u00fcdamerikanischen 'Dudamelisierung' und einer starken baltischen Generation werden neuerdings Chef*innen mit afrikanischen, indischen, maorischen Wurzeln viel st\u00e4rker wahr- und ernstgenommen - dies belebt das interpretatorische Feld ungemein, ist aber auch eine schwere Hypothek. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich gilt auch in diesem Kontext, die W\u00fcrde der Musik soll im Zentrum stehen, nicht die kulturelle Zugeh\u00f6rigkeit des oder der Dirigentin; das dirigentische Metier ist und bleibt eine Herausforderung - psychologische, \u00e4sthetische, technische und leadership-Kompetenzen bilden einen komplexen Mix, getragen von einer k\u00fcnstlerischen Reife, die sich nicht abk\u00fcrzen l\u00e4sst.....auch nicht durch ein aggressives Management....<\/p>\n<p><strong><i>Sie waren die erste Frau in der Konferenz: Wie zufrieden sind Sie mit den Fortschritten, die die KMHS in dieser Hinsicht gemacht hat?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ich habe mich als weibliches Mitglied der KMHS immer sehr akzeptiert gef\u00fchlt, aber es gab nat\u00fcrlich Themen, in denen ich oftmals mit einer mediterranen Emotionalit\u00e4t reagierte - ob dies nun besonders weiblich war, m\u00fcssten die Kollegen beantworten. Die Diskussionen waren belebt, anregend, auch wenn wir uns einmal nicht einig wurden. Man darf auch nicht vergessen, dass viele meiner Kollegen schon seit \u00fcber zehn, zwanzig Jahren in der KMHS gewirkt hatten - ich war wirklich Anf\u00e4ngerin und musste mir zuerst einmal einen \u00dcberblick verschaffen. Die Anspr\u00fcche an eine Hochschulleitung sind seit Bologna immens gewachsen - die Komplexit\u00e4t der Verantwortlichkeiten, auch als eine Art Zwischengremium mit Interaktionen zwischen Bund, Kanton und den Swiss Universities, zwischen den sozialen und kulturellen Wirklichkeiten der Studierenden und den Finanzierungsgrundlagen der Hochschulen, zwischen den Anbindungen an Fachhochschulen und dem k\u00fcnstlerischen Wunsch nach einem akademie\u00e4hnlichen free-floating Dasein - ich war oft froh, dass jedes KMHS- Mitglied sich in spezifischen Fragen besonders gut auskannte, und das Vertrauen ineinander ist st\u00e4ndig gewachsen. No\u00e9mie L. Robidas - und neu ganz frisch auch B\u00e9atrice Zawodnik - besitzen genau jene Qualit\u00e4ten als engagiert und souver\u00e4n ( sicher bed\u00e4chtiger als ich) agierende K\u00fcnstlerinnen und Leitende, die sie zu idealen Kolleginnen der KMHS machen - und ich w\u00fcnsche beiden, dass sie sich wie ich auch vor zw\u00f6lf Jahren als neue, kraftvolle Stimmen im Gremium einbringen.<\/p>\n<p><strong><i>Worauf blicken Sie mit Stolz zur\u00fcck, wenn Sie an Ihre Arbeit als Fachbereichsleiterin Musik an der HKB denken?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Besonders stolz bin ich auf vier Entwicklungen und Studienangebote, die ich gemeinsam mit meinem fantastischen Team realisieren durfte: Einerseits die Etablierung des europaweit ersten Master Specialized Performance Studiengangs mit Vertiefung Music in Context, was einer spezifischen Berner Variante der Musikvermittlung entspricht, andererseits das PreCollege Bern HKB f\u00fcr Klassik, sound arts und Musik&amp;Bewegung mit einer 100%igen Erfolgsquote. Als drittes Herzensprojekt w\u00fcrde ich die Weiterentwicklung des Opernstudios erw\u00e4hnen, das mit den B\u00fchnen in Biel und Bern einen Kooperationsvertrag eingehen durfte und in naher Zukunft die Opernregie als einmaliges Angebot f\u00fcr Operns\u00e4nger*innen anbieten wird. Auf der Ebene der Hochschule der K\u00fcnste Bern freue ich mich, dass immer mehr Studierende der Musik anschliessend ein Doktoratsstudium in der Kooperation zwischen der Universit\u00e4t Bern und der HKB Forschung \/ SINTA in Angriff nehmen. Die SINTA ist ein schweizweit einzigartiges, k\u00fcnstlerisch-gestalterisches und wissenschaftliches Doktoratsprogramm der philosophisch-historischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bern und der Hochschule der K\u00fcnste Bern HKB. <\/p>\n<p><strong><i>What were the association's greatest achievements and challenges during this time?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Die KMHS hat sich als Gremium etabliert, in allgemeinen Fragen im Hochschulkontext immer st\u00e4rker f\u00fcr eine gemeinsame Positionierung und Kommunikation eingesetzt, hat politisch anspruchsvolle Themen intelligent, teilweise innerhalb von Task Forces, Arbeitsgruppen oder aber auch durch die einzelne Initiativen von Mitgliedern zu synergetisch getragenen Visionen gewandelt. Auf dieser KMHS- Seite der smz kann man jeden Monat nachlesen, dass Themenkomplexe wie Forschung, Dritter Zyklus, Berufspraxis, Talentf\u00f6rderung und Vorbilung, neue Mastermodelle und Fragen zu Interkulturalit\u00e4t, Diversity, Digitalit\u00e4t und K\u00fcnstler*innenprofilen der Zukunft als Vielfalt und Diversifikation im Gremium der KMHS gestaltet, kommuniziert und weiterentwickelt wurden und werden. Aktuell entfaltet die KMHS auch intern neue Strategien, nicht zuletzt durch die Schaffung eines Generalsekretariats und einer durch das Pr\u00e4sidium von No\u00e9mie L. Robidas und dem Vizepr\u00e4sidenten Valentin Gloor angestossen Weiterentwicklung der Aktivit\u00e4ten und Ziele der KMHS. Mir ist aufgefallen, wie agil die KMHS in der Pandemie gearbeitet hat - es war bei aller Belastung wirklich beeindruckend zu beobachten, wie rasch, effizient und kooperativ die fr\u00fcheren Konkurrent*innen sich um L\u00f6sungen bem\u00fcht haben. <\/p>\n<p><strong><i>With your wealth of experience as head of the HKB's music department, what is your vision for the development of higher music education in Switzerland over the next few years?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Higher education seems to be developing wonderfully, with a balanced mix of quality and openness, practice and research, artistic and socio-cultural awareness, analog and digital. Sense and sensibility - a wonderful title from a Jane Austen novel, often mistranslated by the way - reflects for me exactly this positive and inspiring tension of the education of the future. Sense as a multisensory perception of our existence, to make our art audible as music\/sound\/installation\/improvisation\/movement\/gesture\/sound vision, etc. Sensibility as reason, reflection and mirror. Sensibility as reason, reflection and mirror of the reality surrounding our students, in which future musicians will express their art and give their ideas back to society later on. As far as tradition is concerned, I believe that the requirements of classical music, linked to the high-level interpretation of works from the musical canon, should continue to be respected. They are part of our heritage, of course, but still offer a magnificent basis for developing something else, another musical world, later on. <\/p>\n<p><strong><i>What advice would you give to young musicians wishing to pursue higher music studies, or currently in the process of doing so?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Now that Generation Z is entering higher education - often incredibly open-minded, knowledgeable about many trends, however ephemeral, strongly shaped by a diverse multiperspective, fueled by a desire for constant communication - I'm obviously feeling a little old-fashioned in proposing this: to suggest to your future audience a narrative that holds up, you have to try to know yourself and the roots of the art, culture and music in which you'd like to excel one day. A narrative is developed - in my opinion - through constant research and criticism of sources - and playful but pertinent questioning of the message you want to convey. A German philosopher has just said that zapping and swiping prevent us from developing a narrative, because we are constantly distracted by different options, by sparks that disappear after illuminating our attention for two seconds... So: critical thinking, silent introspection to deepen the investigation of your Art, and then the unheard-of joy of sharing the narrative with other human beings - that's what I wish for the new generation of musicians...<\/p>\n<p><strong><i>In your opinion, what can Swiss music colleges do to further promote gender equality in the training they provide, and perhaps also in their links with initial and pre-professional training?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich erlebte die Durchmischung der Geschlechter an der HKB als selbstverst\u00e4ndlich, obwohl z.B. in der Rhythmik immer noch mehr Frauen, im Jazz mehr M\u00e4nner das Studium antreten. Die aktuelle Generation der Millennials, die das Musikstudium aktuell von innen her mit ganz neuen Anspr\u00fcchen, Erfahrungen und - ich nenne es so - postdialektischen Erwartungen f\u00fcllt, \u00fcberlagert ja den alten Genderdiskurs mit einer Art Diversity-Hyperbel, mit einer neuer Alertness, die blitzschnell auf m\u00f6gliche Benachteiligungen, Ungerechtigkeiten oder nicht mehr vertretbare Haltungen im politk\u00fcnstlerischen Kontext reagiert. Diese spezifische Energie ist f\u00fcr die Hochschulen eine Herausforderung (und die KMHS wird sich strategisch intensiv mit diesem Ph\u00e4nomen auseinandersetzen) und eine Chance. Wenn ich ganz ehrlich sein darf, erschloss sich f\u00fcr mich die L\u00f6sung in Genderfragen nur selten im ideologischen Entwirren von teils diffusen Anschuldigungen, sondern viel eher in der Ermutigung f\u00fcr Studierende, die Thematik k\u00fcnstlerisch anzugehen - in transdisziplin\u00e4ren Settings, kreativen Prozessen, in Momenten des Scheiterns ebenso wie des Erfolgs, und immer: in der Begegnung mit dem Anderen, vorher Verd\u00e4chtigen, dann Nahen.<\/p>\n<p>\"Les musiciennes \u00e0 la conqu\u00eate de leur image\", published in <i>H\u00e9misph\u00e8res, Swiss journal of research and its applications.<\/i><\/p>\n<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Les femmes cheffes d\u2019orchestre sont de plus en plus pr\u00e9sentes dans le monde de la musique classique. Cet article vise \u00e0 \u00e9veiller des vocations en r\u00e9fl\u00e9chissant sur ce ph\u00e9nom\u00e8ne avec la cheffe d\u2019orchestre Graziella Contratto. 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