{"id":28900,"date":"2021-02-24T00:00:00","date_gmt":"2021-02-23T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/blog\/2021\/02\/24\/career-services\/"},"modified":"2023-01-19T15:50:27","modified_gmt":"2023-01-19T14:50:27","slug":"career-services","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/en\/basis\/2021\/02\/career-services","title":{"rendered":"Career Services"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"size-full\" src=\"https:\/\/www.revuemusicale.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Logo_KMHS-2.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><strong>Verschiedene Schweizer Musikhochschulen bieten ihren Musikstudierenden im Rahmen von Karrierezen-tren die M\u00f6glichkeit, sich mit dem erfolgreichen Start ins Berufsleben auseinander-zusetzen. Diese Stellen, hier werden jene aus Luzern und Z\u00fcrich vorgestellt, bilden die eigentliche Schnittstelle zwi-schen Studium und Beruf.<\/strong><\/p>\n<div class='text-section'>\n<p><i>Martin Huber -<\/i> Bereits im Jahr 2005 konstatierte George Caird (Generalsekret\u00e4r der Association Europ\u00e9en des Conservatoires (2005-2010)) in einem Artikel der Neuen Musikzeitung (Ausgabe 6\/2005, 54. Jahrgang) eine starke Zunahme von sogenannten Portfolio-Karrieren im angels\u00e4chsischen Raum. Der Begriff meint, dass Musiker nicht mehr ausschliesslich aus einer T\u00e4tigkeit ihr Einkommen generieren, sondern sich ihre Existenz aus vielen verschiedenen Arbeitsbereichen sichern werden; neben der B\u00fchnent\u00e4tigkeit und dem Unterrichten auch z.B. in der Kulturadministration, dem Journalismus, der Vermittlung etc.. An den internationalen Hochschulen l\u00e4uft die Vorbereitung auf die vielgestaltige Arbeitswelt unter dem Begriff des \"career development\", oder auch \"professional development\". Es geht nicht zuletzt um Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit und im weitesten Sinne um unternehmerische Selbst\u00e4ndigkeit. Dies meint in unserem Kontext weniger klassisches Unternehmertum als vielmehr die Entwicklung von Selbstkompetenzen des \"Musikers als Einzelunternehmer\". <\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Von der Anstellung zur freischaffenden T\u00e4tigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Was im angels\u00e4chsischen Raum schon lange Realit\u00e4t ist, zeigt sich im deutschsprachigen Raum etwas retardiert, ist aber doch deutlich sp\u00fcrbar und nur mehr schwer zu negieren: Einher mit einer Diversifizierung des Musikerberufs ist eine Verschiebung von der Anstellung zur freischaffenden T\u00e4tigkeit festzustellen. W\u00e4hrend die Anzahl Musikstudierender stabil ist, wird die Anzahl der Festanstellungen kleiner. Dies betrifft den Markt der Orchesterstellen genauso wie den Markt der Musikschulstellen. Am sp\u00fcrbarsten ist dies nat\u00fcrlich in der Klassik, aber zumindest bei den Musikschulen betrifft es alle Sparten. Es war anzunehmen, dass diese Entwicklung in der Schweiz mit Verz\u00f6gerung und weniger stark eintreten w\u00fcrde; die andauernde Covid-Krise d\u00fcrfte den Prozess allerdings gewaltig beschleunigen. <\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>\"You get what you want, but not what you need \"1<\/strong><\/p>\n<p>Freischaffende T\u00e4tigkeit meint bestenfalls auch berufliche Selbst\u00e4ndigkeit. Berufliche Selbst\u00e4ndigkeit und Scheinselbst\u00e4ndigkeit werden aber sehr oft verwechselt, wie die aktuelle Misere deutlich zeigt. So liegt die soziale Absicherung vieler Musiker*innen im Argen, und gerade zu Beginn dieser Krise konnten viele freischaffende Musiker*innen infolge fehlender echter Selbst\u00e4ndigkeit keine staatlichen Hilfsgelder in Anspruch nehmen. Weniger Festanstellungen und die mangelnde soziale Absicherung von Freischaffenden: Niemand kann daran interessiert sein, eine wachsende Anzahl Musikerinnen im Prekariat zu wissen - oder sie dahin zu schicken. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr mangelhafte Selbstkompetenz im Umgang mit der Selbst\u00e4ndigkeit liegen denn unter anderem auch in der Ausbildung. <\/p>\n<p>Der Weg zum Studium f\u00fchrt traditionell \u00fcber die Hauptfachlehrkraft. Das Hauptfach beansprucht dann auch den gr\u00f6ssten Teil des Curriculums der meisten k\u00fcnstlerischen oder musikp\u00e4dagogischen Studieng\u00e4nge. Transferkompetenzen sind typischer Weise nur marginal - oft im Wahlbereich im Rahmen von einigen wenigen Credits - vertreten. Dies tr\u00e4gt sehr wohl dem Bed\u00fcrfnis der Studierenden Rechnung, welche nat\u00fcrlicherweise so viel Zeit wie m\u00f6glich dem Hauptfach widmen m\u00f6chten und von denen auch nicht erwartet werden kann, dass sie die Komplexit\u00e4ten des sie erwartenden Berufsumfelds vorwegnehmen k\u00f6nnen. Sowohl bei Studierenden wie bei Dozierenden herrschte - zumindest bis vor Kurzem - die Einstellung: \"Das lernt man dann alles nachher\". Die Kritik an den Hochschulen, nur unzureichend auf die tats\u00e4chlichen Anforderungen der beruflichen T\u00e4tigkeit vorbereitet worden zu sein, wird denn auch in aller Regel erst mit Abstand von einigen (Berufs-) Jahren formuliert. <\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Das Career Center Musik der ZHdK<\/strong><\/p>\n<p>Das Career Center Musik der ZHdK (CCM) f\u00fchrt seit nunmehr f\u00fcnf Jahren ein solides Grundangebot an Transferkompetenzen wie \"Musik &amp; Recht\", \"Kulturpolitik\", \"Musikfinanzierung\", \"Soziale Sicherheit\", \"Buchhaltung f\u00fcr Musiker*innen\" und \"Social Media &amp; Digital Communication\". Zusammengefasst in das Modul \"business &amp; administration\" ist es sowohl in den grossen k\u00fcnstlerischen Studieng\u00e4ngen curriculare Pflicht als auch f\u00fcr Externe in Form von Weiterbildung zug\u00e4nglich. In den Wahlpflichtbereich geh\u00f6rt das Modul \"producing &amp; presentation\". Es erm\u00f6glicht im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe den Zuwachs von F\u00e4higkeiten in selfproducing (Audio &amp; Video) und dessen Vermarktung und Integration in das eigene Portfolio. Beratung, Einzel und Ensemblecoaching erg\u00e4nzen das Angebot f\u00fcr Studierende, Mitarbeitende und Externe. Spannend wird sein, in welcher Form Transferkompetenz und \"career development\" in die aktuell stattfindende Studienreform Major-minor Eingang finden wird. <\/p>\n<p>Die Nachfrage nach dem Angebot des Career Centers Musik nahm in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu, seit der Covid-Krise steigt sie allerdings stark. Und so wie die Digitalisierung einen Quantensprung erfahren hat, so k\u00f6nnte in Bezug auf die Themen des \"career developments\" f\u00fcr die Hochschulen gelten, die M\u00f6glichkeit beim Schopf zu packen und dem Modell des Career Centers Nachhaltigkeit zu verschaffen; dies, indem Career Centers und deren Services gest\u00e4rkt ausgestaltet, institutionell implementiert und (wichtig!) curricular verankert werden. Dabei ist zu hoffen, dass die N\u00e4he zum Fach auch bei grossen interdisziplin\u00e4ren Kunsthochschulen wie der ZHdK erhalten und strukturell mitgedacht wird. Nur so wird gew\u00e4hrleistet, dass die Akzeptanz und Sinnhaftigkeit f\u00fcr die Studierenden gegeben ist und auch nach dieser Krise fortw\u00e4hrt. <\/p>\n<p><b>Martin Huber <\/b><\/p>\n<p>... verantwortet an der ZHdK das Career Center Musik, das Modul \"Career Skills\", und das \"Orchestermanagement\". Er ist Fl\u00f6tist, Instrumentallehrer, Arrangeur und Konzertveranstalter.<\/p>\n<p><i>Clemens Kuratle -<\/i> Nach einem abgeschlossenen Musikstudium, egal ob mit Performance-, P\u00e4dagogik-, Schulmusik- oder Orchesterdiplom, finden sich nur die wenigsten Alumni als Angestellte im Vollpensum wieder. Die Orchesterstellen sind rar, Pensen an Musikschulen ebenso und zudem meist nur in Teilzeit ausgeschrieben, von der unsteten und prek\u00e4ren Freelance-T\u00e4tigkeit im Pop-, Independent- und Jazzbereich ganz zu schweigen. Es ist ein von Idealismus getriebener Berufsstand, den die Studierenden w\u00e4hlen. Die Berufsrealit\u00e4t von freischaffenden Musiker*innen erfordert vielf\u00e4ltigste Kompetenzen in Bereichen wie Administration, Networking, Marketing, Social Media etc. und daneben eine unglaubliche Disziplin, um neben all diesen T\u00e4tigkeitsfeldern die Hauptsache, das aktive Musizieren, Komponieren und Produzieren, nicht aus den Augen zu verlieren! Das alles ist n\u00f6tig, um in diesem hoch kompetitiven Umfeld \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum mitmischen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Stand der Lehre<\/strong><\/p>\n<p>An der Hochschule Luzern - Musik werden die sogenannten \"Business-Skills\" bereits seit l\u00e4ngerer Zeit in einem f\u00fcr Bachelor- wie auch Masterstudierende obligatorischem Modul (\"Musik und Beruf\") vermittelt. Schrittweise \u00fcber die Jahre auf- und ausgebaut von Michael Zollinger, wird in verschiedenen halbt\u00e4gigen Kursen musikfernes und doch immens wichtiges Know-How vermittelt. <\/p>\n<p>Die Dozierenden sind allesamt hauptberuflich nicht in der Lehre, sondern in den Bereichen t\u00e4tig, zu denen sie an der HSLU auch dozieren. So soll gew\u00e4hrleistet sein, dass die sich rasant wandelnde Umgebung f\u00fcr aus\u00fcbende Musiker und Musikp\u00e4dagogen in den Kursen jederzeit gut abgebildet ist. Mit dem Ziel, dass die Studierenden optimal auf die herausfordernde Berufsrealit\u00e4t - von einem klaren Alltag kann ja keine Rede sein - vorbereitet sind. <\/p>\n<p>Durch den Gesamtverbund der Hochschule Luzern, der neben dem Departement Musik auch noch die Departemente Design &amp; Kunst, Technik &amp; Architektur, Wirtschaft und Informatik einschliesst, profitieren die Studierenden zus\u00e4tzlich von einem Angebot, welches f\u00fcr alle Studierenden der Gesamthochschule zug\u00e4nglich ist. Der Careers Service bietet den Studierenden neben der Vermittlungsplattform <i>Musik f\u00fcr Ihren Anlass <\/i>auch die M\u00f6glichkeit, ihr CV von einem Musikschulleiter oder einem Orchesterjurymitglied auf Herz und Nieren pr\u00fcfen zu lassen.<\/p>\n<p>Mit <i>Smart-Up<\/i> verf\u00fcgt die Hochschule zudem \u00fcber eine Plattform, welche Studierende wie Dozierende in Coachings unterst\u00fctzt. Durch die Vernetzung mit den anderen Departementen k\u00f6nnen Studierende wie auch Dozierende bei gr\u00f6sseren Projekten, wie zum Beispiel einer Orchestergr\u00fcndung, einem Musikvermittlungskonzept oder \u00e4hnlichem, ein eigens auf sie zugeschnittenes Coaching aus einem reichhaltigen Pool von Fachpersonal in Anspruch nehmen. <\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'> <strong>Herausforderungen und Zukunftsaussichten<\/strong><\/p>\n<p>Eine grosse Herausforderung der Lehre in unserem Bereich besteht darin, auf die verschiedenen Niveaus und Bed\u00fcrfnisse der Studierenden eingehen zu k\u00f6nnen. Die Bandbreite reicht in allen Studieng\u00e4ngen von bereits selbst\u00e4ndig angemeldeten und unabh\u00e4ngigen Freelance-Musikern, \u00fcber aktive Musikp\u00e4dagogen bis zu Studierenden, die frisch vom Gymnasium kommen und noch wenig Praxiserfahrung ausserhalb einer Bildungsinstitution aufweisen k\u00f6nnen. Um dieser Bandbreite gerecht zu werden, wird auch unser Angebot auf das neue Studienjahr angepasst. Zuk\u00fcnftig werden die Studierenden w\u00e4hrend den ersten vier Semestern im Bachelor und den ersten zwei Semestern im Master aus einem ausgebauten Kursangebot ein auf sie abgestimmtes Programm absolvieren k\u00f6nnen. Den Startschuss bildet ein halbt\u00e4giger Kurs, wo anhand einer Standortbestimmung der Wissensstand und das T\u00e4tigkeitsfeld der Studierenden festgestellt wird. Anschliessend werden anhand dieser Standortbestimmung die zu besuchenden Kurse f\u00fcr das Studienjahr festgelegt. Erg\u00e4nzt wird das Kursangebot von einer Sprechstunde, welche die Studierenden bei ihren eigenen Projekten, insbesondere auch ihrem Abschlussprojekt, aber auch bei Projekten ausserhalb des Studiums, unterst\u00fctzen soll. Wenn Studierende mit komplexeren Fragestellungen auftauchen, k\u00f6nnen sie so auch gezielt an das umfassendere Coachingangebot von Smart-Up vermittelt werden.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class='text-section'>\n<p><strong>Kooperation mit lokalen Netzwerken<\/strong><\/p>\n<p>Unsere Vision ist, dass neben dem ausgebauten Kursangebot neu auch Panels und Co-Workingspaces mit integrierten Coachingangeboten - dies unter anderem in Zusammenarbeit mit lokalen Netzwerken wie zum Beispiel <i>Other Music Lucerne <\/i>oder <i>Say Hi! <\/i>- Teil unseres Modulangebots sein sollen. Ziel ist es, dass sich der Hochschul- und Berufsalltag der Studierenden gr\u00f6sstm\u00f6glichst gegenseitig befruchtet und nicht konkurrenziert. Wir glauben, dass aufgrund solcher Kooperationen unsere Studierenden besser vorbereitet und mit noch mehr Praxiserfahrung aus unseren Studieng\u00e4ngen entlassen werden k\u00f6nnen. Aber nicht nur das. Eine solche Zusammenarbeit setzt auf allen Ebenen Ressourcen und Impulse frei, welche, so sind wir \u00fcberzeugt, auch die Kulturlandschaft in Luzern nachhaltig bereichern werden.<\/p>\n<p><b>Clemens Kuratle <\/b><\/p>\n<p>... ist freischaffender Musiker, Komponist, Gr\u00fcnder des Labels antidr\u00f2-records und Dozent am Institut f\u00fcr neue Musik, Komposition und Theorie der HSLU - Musik und verantwortlich f\u00fcr das Modul \"Musik und Beruf\".<\/p>\n<p><b>Note<\/b><\/p>\n<p>Titel aus: E. Bishop, Eine Curriculum-Analyse k\u00fcnstlerisch-instrumentaler Studieng\u00e4nge. <i>Zeitschrift f\u00fcr Kulturmanagement <\/i>1\/2020<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Links:<\/p>\n<p><b>> <a href='http:\/\/www.zhdk.ch\/careercentermusik'>www.zhdk.ch\/careercentermusik<\/a><\/b><\/p>\n<p><b>> <a href='http:\/\/www.hslu.ch\/de-ch\/careers\/'>www.hslu.ch\/de-ch\/careers\/<\/a><\/b><\/p>\n<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verschiedene Schweizer Musikhochschulen bieten ihren Musikstudierenden im Rahmen von Karrierezen-tren die M\u00f6glichkeit, sich mit dem erfolgreichen Start ins Berufsleben auseinander-zusetzen. Diese Stellen, hier werden jene aus Luzern und Z\u00fcrich vorgestellt, bilden die eigentliche Schnittstelle zwi-schen Studium und Beruf. 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